Rund 60 historische Motorräder und gewaltige Limousinen- Oldies präsentierte das Landschaftsmuseum Westerwald bei einer erfolgreichen Sonderausstellung zu der etwa 950 Besucher gekommen waren. Die Freunde des Motorsports machten bereits den Vorplatz des Museums zu einer eigenen kleinen Ausstellung bei der Dutzende PS- strotzender Maschinen nebeneinander aufgereiht wurden.
Die wahren Schätze aber, die überwiegend aus dem privaten Hort vieler Oberwesterwälder stammen, rollten hochglanzpoliert in das historische Häuserdorf, darunter eine Imperia aus dem Baujahr 1927. Museumsleiter Dr. Manfrid Ehrenwerth moderierte über die geschichtlichen Zusammenhänge des Rennsports im Westerwald. Mit Blick auf die einfahrenden Opel Admiral Cabrio von 1938 und einen 35er Bentley erinnerte er an die erfolgreich organisierten MG- Treffen von Karl- Wilhelm Breidenstein. Die Ausstellungsfahrzeuge konnten nicht nur stehend bestaunt werden. In großer Parade fuhren Motorräder und Automobile durch die Innenstadt.
Im Zeitalter des Kuhgespanns seien die Rennwagen schon damals mit halsbrecherischen Geschwindigkeiten bis zu 150 km/h über die meist unbefestigten Straßen geflitzt, so Ehrenwerth. Eine "Ziel- Wertungsfahrt" habe der Motorsportklub Montabaur im Herbst 1927 veranstaltet, an der sich mehrere Vereine der Region beteiligten und für eine Plakette wenigsten 100 Kilometer "ohne Führerwechsel" absolvieren mussten.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs zogen Motorsportveranstaltungen große Menschenmengen an. Am 8. September 1946 wurde das erste Rennen "Quer durch Neuwied" ausgetragen. Trotz eingeschränkter Reiseverhältnisse strömten 80 000 Besucher zum Nürburgring, um dort die ersten Motorradrennen mitzuerleben.
In Hachenburg fand 1951 das erste Rennsportereignis statt. Mehr als 15 000 Zuschauer säumten bei der sogenannten Löwenjagd "Rund um Hachenburg" die Straßen. Als Favorit der Zuschauer ging Otto Ludwig aus Atzelgift ins Rennen - für seine Fans erkennbar am roten Helm, der 350- ccm- Horex und Startnummer 42. Mit dieser 42 schmückten Kinder in Hachenburg noch Wochen später ihre Spielgeräte. Der hoffnungsvolle Nachwuchsfahrer verunglückte kurz vor Vollendung seines 22. Lebensjahres im August 1953 tödlich. Ein Idol für die Westerwälder war auch Manfred Fischbach aus Hof, dessen BMW R 51/2 stets die Nummer 88 zierte. Die 500 ccm des Boxermotors leisteten 24 PS. Damals fuhren 145 Teilnehmer mit. Als lebender Zeitzeuge dieser Rennen kam Kfz- Meister Kurt Pistorius aus Dierdorf. Er weiß noch, wie er seine erste Rennmaschine in Eigenkonstruktion zum Teil aus Bauteilen eines alten Flugzeugwracks zusammensetzte.
Unter der Rennleitung von Karl Asbach verlief die Strecke durch Hachenburg über die Leipziger Straße, knickte dann über die Borngasse nach Alpenrod und führte über die lange Schneise durch den Wald zurück. Zwischen acht und zehn Runden wurden zurückgelegt.
Für das "Westerwald- Bergring- Rennen" am 15. August 1954 wurde ein neuer Rundkurs mit knapp drei Kilometer Länge bei Müschenbach angelegt. Karl Josef Henke aus Selm verunglückte auf dieser Strecke bei regennasser Fahrbahn tödlich. Eine Rennerlaubnis wurde der Strecke 1955 daher nicht mehr erteilt. Von 1956 bis 1960 veranstaltete der Hachenburger ADAC Grasbahnrennen auf der großen Wiese am Ziegelhütter Weg.
Westerwälder Zeitung vom Mittwoch, 19. August 2009, Seite 17.



