Gläser, Flaschen und Fässer, Zapfsäulen und Werkzeuge, Lagerbücher und Dokumente, Werbeartikel und Fotos - die Vitrinen im Hofgartenhaus sehen aus, als habe sich das Landschaftsmuseum Westerwald eine eigene Gastronomie zugelegt. Doch weit gefehlt: Die Sonderausstellung "Nicht nur runde Sachen - Bierdeckel und Brauereikultur im Westerwald" geht völlig nüchtern einem regionalen Charakteristikum nach, ohne taumelnden Wirtshauscharme.
Mehrere Hundert Exponate zum Brauereiwesen im geografischen Westerwald haben Museumsleiter Dr. Manfrid Ehrenwerth und sein Team zusammengetragen. Dabei halfen rund 50 Leihgeber, die ihre Sammlerstücke zur Verfügung stellten. Zwei von ihnen stechen besonders hervor: Udo Schade aus Köln, ein Sammler aus Leidenschaft und ein absoluter Experte in Sachen Bierdeckel. Seine Erläuterungen zur Geschichte der etwa um 1870 entstandenen Bierdeckel machten die Ausstellungseröffnung ansatzweise zu einem historischen Seminar. Der Zweite ist Moritz Jungbluth aus Nauort. Der junge Ethnologe ist im Besitz vieler Archivalien aus dem Hause der Fohr- Brauerei in Ransbach- Baumbach und zeigt rund 150 davon in der Sonderschau in Hachenburg. Als Fachmann vom Lippischen Landesmuseum hält er die Museumsausstellung für "gut gelöst", zumal es sehr schwierig sei, die frühere Vielfalt des Brauereiwesens zu zeigen, da die Werbeartikel erst um 1920 aufkamen, zu einer Zeit also, also die Mehrzahl der (kleinen) Brauer schon wieder von der Westerwälder Landkarte verschwunden war. Um 1930 ereilte auch die Brauerei Carl Kühn aus Rennerod dieses Schicksal, Erinnerungsstücke hat Helmut Lang beigesteuert.
Begleitet von bierseligen Liedern der HaKiJus hatte Landrat Peter Paul Weinert eingangs die Ausstellung eröffnet. Er sprach von einem "Schmankerl für Einheimische und Gäste" und erinnerte an die Zahl von einstmals mindestens 163 Brauereien in rund 80 Gemeinden im Westerwald - von Siegen bis Koblenz, von Hennef bis Limburg.
Entsprechend geografisch ist die Ausstellung aufgeteilt, mit den beiden Schwerpunkten Fohr und Westerwald- Brauerei Hachenburg. Heiner Schneider (Hachenburg) betonte, selbst ihm als Fachmann sei diese zahlenmäßig große Vergangenheit der Branche nicht bewusst gewesen. Ebenso wie sein Mitgesellschafter Jens Geimer wertet er die Ausstellung als Ausdruck für die enge Beziehung zwischen Heimat und Bierkultur. Sie passe daher sehr gut in den Trend zur Rückbesinnung auf regionale Stärken. Dem stimmte auch Dirk Fohr zu und lobte die "außergewöhnliche und schön präsentierte Schau." Für sein Haus, so der geschäftsführender Gesellschafter, passe dies prima ins Jubiläumsjahr "333 Jahre Brauerei Fohr".
Die Sonderausstellung ist noch bis Mitte November im Landschaftsmuseum zu sehen.
Elmar Hering
Westerwälder Zeitung vom Dienstag, 23. Juni 2009, Seite 15.



