Er bildet meist die Grundlage für ein gut gezapftes kühles Blondes und ist doch gefährdet: Der Bierdeckel hat keine so guten Karten. Da passt es, dass im Landschaftsmuseum Westerwald eine Ausstellung geplant ist, die auch ganz viele der Bierglasuntersetzer zeigen wird -  als Teil der Brauereigeschichte in der Region.

Für einen Nachruf auf den Bierdeckel ist es noch zu früh, aber die Probleme sind nicht von Pappe. Der größte Hersteller war nicht mehr flüssig und hat kurz vor dem heutigen Tag des Bieres Insolvenz anmelden müssen. Ein Grund: Es wird immer weniger Bier in Kneipen getrunken.

Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Brauereikultur ihre Hochphase erlebte -  2172 Braubetriebe gab es 1850 in Rheinland- Pfalz und mehr als 160 Brauereien im Westerwald und an der Lahn -  da hatte die Zeit der Bierdeckel noch nicht begonnen, wie Sammler Udo Schade erklärt. Eine vorwiegend runde Sache wurde aus den Bierdeckeln erst nach 1867, als bei der Pariser Weltausstellung eine Pappemaschine vorgestellt wurde. Heute gibt es in Rheinland- Pfalz noch 43 Brauereien, davon 41 eigenständige. Die verschiedenen Brauereien haben ihre eigenen Bierdeckel, aber das Sammelgebiet ist übersichtlicher geworden für Udo Schade, der 80 000 Exemplare in seiner Sammlung hat und auch die Deckel regionaler Brauereien für die Ausstellung zur Verfügung stellt.

Die Bierglasuntersetzer wurden schon immer hauptsächlich in der Gastronomie verwendet. "So ist es auch in der heutigen Zeit noch", sagt Axel Jürging, Geschäftsführer des Brauerbundes Hessen/Rheinland- Pfalz. "Ein entsprechender Bierdeckel oder Bierfilz gehören grundsätzlich zu einem ordentlich gezapften Bier." Da beginnen die Probleme der Brauereien und des Bierdeckels: Es wird nicht mehr so ordentlich vom gezapften Bier getrunken, wie das noch vor einigen Jahren der Fall war. Der Pro- Kopf- Bier- Konsum ist im Jahr 2008 auf 106,8 Liter gefallen, nachdem er 1990 bei 142,7 Litern gelegen hatte. "Je weniger Bier in den Kneipen und Gaststätten getrunken wird, desto weniger Bierdeckel wird es eines Tages noch geben", so Jürging.

Da hatte ihn noch nicht die Nachricht aus dem badischen Weisenbach ereilt, aus dem im Jahr 4,2 Milliarden Bierdeckel geliefert wurden: Die Katz Group, die aus heimischem Holz drei von vier Untersetzern weltweit produziert, musste Insolvenz anmelden: "Unser Geschäft ist abhängig vom Bierkonsum in der Gastronomie, und der ist um ein Fünftel zurückgegangen", rechnet Marketing- Leiter Dirk Brennenstuhl vor. Das könnte immerhin für die Macher der vom 19. Juni an laufenden Ausstellung auch sein Gutes haben: Es erhöht vielleicht die Chancen, dass sie noch fündig werden auf der Suche nach einem besonderen Exponat: Neben Ansichtskarten ehemaliger Brauereien, Gläsern und Krügen wird auch ein Schankraum gesucht. "Am liebsten aus der Zeit vor 1950", sagt Museumsleiter Manfrid Ehrenwerth.

Elmar Hering/Lars Wienand
Westerwälder Zeitung vom Donnerstag, 23. April 2009, Seite 3.

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Runde Sache: Manfrid Ehrenwerth (rechts) bereitet im Landschaftsmuseum Westerwald eine Ausstellung zur Bierkultur der Region vor. Da sind Bierdeckel hochwillkommen, die Sammler Udo Schade mit Sohn Tobias gebracht hat. Wegen der "Wirtschaften- Krise" werden Glasuntersetzer aus Pappe seltener.  Foto: Röder- Moldenhauer